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unterwegs

Ungebundenes Reisen, das Leben auf Zeltplätzen, oder übernachten wie die Zigeuner in freier Natur, das eigene Heim immer mit dabei. Bekannte erzählten uns von Ferienerlebnissen mit ihrem Campingcar. Françoise und ich waren beeindruckt. Also mieteten wir vor vier Jahren einen Campingbus für eine Woche. Die Erfahrung war ganz neu und hinterliess Spuren. Wir fragten uns: Wollen wir mit unseren Lebensgewohnheiten weiterfahren wie bisher, oder wollen und können wir unsere Lebensweise ändern? Wie wäre es, Gewohnheiten aufgeben, vertrautes loslassen, und im Wohnmobil über längere Zeit unterwegs sein? Was geschieht, wenn wir uns aus dem gewohnten Umfeld entfernen und uns mit ungewohnten Lebenssituationen auseinandersetzen müssen? Aus Kostengründen müssten wir auch die uns liebgewordene Wohnung aufgeben. Was machen wir, ohne festen Wohnsitz, mit der Wohnungseinrichtung? Erträgt man sich gegenseitig auf engem Raum über Monate? Wird die Malerei von Fränzi eine Andere sein? Offene Fragen, kaum Antworten.

Wir beschlossen trotzdem, die Idee in die Tat umzusetzen. Der Mietvertrag an der Poststrasse wurde aufgelöst, mein Büro in Luzern liquidiert. Möbel und Hausrat lagerten wir in zwei Kellerräumen ein. Als Bilderlager mietete Françoise eine Garage. Wir waren bereit für eine Zeit ohne festen Wohnsitz. Da uns bekannt war, dass beider Urvorfahren entweder Scherenschleifer oder Fahrende aus einem osteuropäischen Land gewesen sein sollen, schien uns die Entscheidung nicht unlogisch. Wir erwarben einen Campingbus und zwei Jahre später einen YAT-Trailer als fahrendes Atelier dazu. Eine kleine Waschmaschine + Tumbler durften standesgemäss nicht fehlen. Zu den obligaten schwarzen Haaren, Schnauz und Goldketteli an Hals und Handgelenk konnte ich mich (noch) nicht durchringen. Auch wussten wir, dass die echten Fahrenden ihre Werkstatt im Zugfahrzeug und nicht im Anhänger haben. Aber im Übrigen entsprachen wir in etwa dem Bild, das wir uns von unseren Vorfahren gemacht hatten. Es konnte losgehen.

Logistisch war manchmal improvisieren angesagt. Fehlende Old Holland-Ölfarben, zum Beispiel, fanden wir einmal nach langer Suche am Stadtrand von Nîmes in einem kleinen Spezialgeschäft. Oder: Neue Keilrahmen für petit smiles fabrizierte ein spanischer Möbelschreiner nach Mass. Oder: Jede Weiterreise konnte erst nach dem Trocknen der nassen Ölfarben, das heisst nach vier bis fünf Tagen, erfolgen. Viele andere Beispiele liessen sich anfügen.

Unerfreuliche Ereignisse gab es natürlich auch. Pannen, wie Pneuwechsel auf der Autobahn, Probleme mit der Motorelektronik, undichte Wasserleitung, Wasserpumpe defekt, oder gar unfreiwilliger Hotelaufenthalt wegen einer Katze, die im parkierten Auto Wärme suchte und sich beim Starten im Keilriemen erhängte. Den Einbruchdiebstahl in Südfrankreich hatten wir bereits vergessen, als uns im vergangenen November südamerikanisch aussehende Typen auf der Autobahn AP7/E15 vor Barcelona auf den Pannenstreifen abdrängten und uns zum Aussteigen bewegen wollten. Vom Hörensagen waren uns derartige Vorfälle bekannt. Fränzi liess sich bei verriegelter Tür nicht aus dem Auto locken. Der Hinweis auf einen defekten Pneu war, wie sich schnell herausstellte, eine Finte. Die Vorstellung, im abendlichen Stossverkehr auf der dreispurigen Autobahn vor Barcelona ohne Fahrzeug und Geld ausgesetzt zu sein, sitzt uns heute noch tief in den Knochen.

Nun sind fünf Jahre vergangen. Frankreich, Spanien und Portugal waren unsere bevorzugten Ziele. Meer, Wasser, Wolken, Küsten, urtümliche Landschaften an Mittelmeer und Atlantik, geschichtsträchtige Orte der Mauren und Römer. Dann die heissen Sommermonate auf der Alp im Onsernonetal und zuhause in fahrwangen.               Elmar Zemp